Nachdem die BAGSO mit ihren Wahlprüfsteinen die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen für ältere Menschen skizziert hat, liegt nun die Reaktion der Parteien vor. Die Antworten der Parteien zeigen, welche politischen Weichenstellungen für ein würdevolles und selbstbestimmtes Altern vorgeschlagen werden. (Hier zu dem vorherigen Artikel)
Von Renten- und Pflegepolitik über Digitalisierung bis hin zu bezahlbarem Wohnen – die Perspektiven der Parteien gehen teils weit auseinander. Während einige auf individuelle Vorsorge setzen, fordern andere strukturelle Reformen. Deutlich wird: Die Frage, wie eine älter werdende Gesellschaft gestaltet werden soll, steht im Mittelpunkt der politischen Debatte. In den folgenden Abschnitten werden diese im Detail beleuchtet und die Standpunkte der Parteien gegenübergestellt.

Die folgende Zusammenfassung basiert auf den Antworten der Parteien auf die Wahlprüfsteine der BAGSO zu den folgenden 8 Handlungsfeldern [zum weiterlesen ausklappen]:
- Existenzsicherung und Teilhabe gewährleisten
- Rechte älterer Menschen stärken
- Digitale Teilhabe fördern, analoge Teilhabe sicherstellen
- Kommunale Altenhilfe stärken
- Bezahlbares und alternsgerechtes Wohnen ermöglichen
- Barrierefreiheit und Mobilität sicherstellen
- Bedarfsgerechte Sorge und Pflege sichern
- Engagement und Partizipation fördern
1. Thema: Existenzsicherung und Teilhabe gewährleisten
Die BAGSO stellte den Parteien dazu folgende Fragen:
- Wie wollen Sie sicherstellen, dass die gesetzliche Rente auch künftig ein Leben in Würde ermöglicht?
- Welche Maßnahmen planen Sie, um Altersarmut zu verhindern und gesellschaftliche Teilhabe unabhängig vom Einkommen zu gewährleisten?
- Wie wollen Sie den Zugang zu sozialen Leistungen erleichtern und bürokratische Hürden abbauen?
- Welche Rolle spielt der soziale Wohnungsbau, um älteren Menschen ein bezahlbares Leben zu ermöglichen?
- Welche Initiativen planen Sie zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe, insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen?
Das sind die Forderungen der BAGSO zu diesem Thema an die Politik:
Die BAGSO fordert eine armutsfeste und verlässliche Rentenpolitik, die insbesondere benachteiligte Gruppen wie Frauen, Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien und Geringverdiener schützt. Zudem wird die Vereinfachung von Sozialleistungen, ein verbessertes Angebot an sozialen Dienstleistungen sowie eine Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen gefordert.
Positionen der Parteien zu Existenzsicherung und Teilhabe:
- SPD: Stabilisierung des Rentenniveaus bei mindestens 48 %. Förderung der Betriebsrente, insbesondere für Geringverdiener:innen. Unterstützung des freiwilligen Weiterarbeitens über das Rentenalter hinaus. Ausbau sozialer Teilhabemöglichkeiten, u. a. durch Bildungsangebote und Sport.
- CDU/CSU: Bekämpfung der verdeckten Altersarmut durch einfachere Sozialleistungen. Förderung von Informationskampagnen und automatisierten Antragsverfahren. Steuerfreier Nebenverdienst für Rentner:innen bis zu 2.000 Euro pro Monat.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Einführung einer Garantierente zur besseren Absicherung insbesondere von Frauen. Unbürokratische Sozialleistungen und stärkere Teilhabe älterer Menschen.
- DIE LINKE: Erhöhung des Rentenniveaus auf 53 %. Einführung einer solidarischen Mindestrente von 1.400 Euro netto. Förderung öffentlicher Infrastruktur wie kostenfreiem ÖPNV für Senior:innen.
- FDP: Ablehnung einer dauerhaften Stabilisierung des Rentenniveaus aufgrund der damit verbundenen Beitragssatzsteigerungen. Forderung nach Anpassung des Bürgergeldes entsprechend der tatsächlichen Inflationsentwicklung. Betonung der Notwendigkeit, die Sozialabgabenquote nicht weiter zu erhöhen.
- BSW: Rentenreform nach österreichischem Modell. Anhebung der Renten um 120 Euro. Einführung eines bundesweiten Mietendeckels für bezahlbaren Wohnraum.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Stabiles Rentenniveau | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE |
| Armutsfeste Mindestrente | DIE LINKE, BSW |
| Vereinfachung der Sozialleistungen | CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN |
| Förderung von Teilhabe durch soziale Infrastruktur | SPD, DIE LINKE, BSW |
| Begünstigende Regelungen für den Nebenverdienst der Rentner:innen | CDU/CSU, SPD |
Die Positionen der FDP unterscheiden sich in einigen Punkten von den Forderungen der BAGSO, insbesondere hinsichtlich der Stabilisierung des Rentenniveaus und der Anpassung sozialer Leistungen.
2. Thema: Rechte älterer Menschen stärken
Die BAGSO hat folgende Fragen an die Parteien gerichtet:
- Werden Sie sich für die Erweiterung von Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal „Lebensalter“ einsetzen?
- Unterstützen Sie die Einführung einer UN-Altenrechtskonvention zur Stärkung der Rechte älterer Menschen weltweit?
- Welche Maßnahmen planen Sie, um Diskriminierung älterer Menschen durch Künstliche Intelligenz zu verhindern?
Das sind die Forderungen der BAGSO in dem Handlungsfeld:
Die BAGSO fordert eine gezielte Stärkung der Rechte älterer Menschen, um Altersdiskriminierung aktiv zu bekämpfen. Dazu gehört die Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes (GG) um das Merkmal „Lebensalter“, um einen klaren rechtlichen Schutz vor Diskriminierung zu verankern. Zudem setzt sich die BAGSO für eine internationale Altenrechtskonvention der Vereinten Nationen ein, um weltweit verbindliche Standards für den Schutz älterer Menschen zu schaffen. In einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft müssen zudem Mechanismen geschaffen werden, um sicherzustellen, dass Künstliche Intelligenz ältere Menschen nicht benachteiligt oder ausschließt.
Positionen der Parteien zur Stärkung der Rechte älterer Menschen:
- SPD: Befürwortet die Erweiterung von Artikel 3 GG um das Merkmal „Lebensalter“ und setzt sich für einen Nationalen Aktionsplan Antidiskriminierung ein. Unterstützt die Entwicklung einer UN-Altenrechtskonvention und betont die Notwendigkeit, KI-Technologien altersgerecht zu gestalten.
- CDU/CSU: Lehnt die Erweiterung von Artikel 3 GG ab, da bestehende Gesetze ausreichenden Schutz bieten. Fokus auf den Schutz vulnerabler Gruppen, insbesondere vor Betrugsmaschen gegen ältere Menschen. Sie sehen in Künstlicher Intelligenz Chancen und betonen die Notwendigkeit von Sicherheits- und Ethikstandards.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Erkennen die Verbreitung von Altersdiskriminierung an und planen, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu reformieren. Sie prüfen die Erweiterung von Artikel 3 GG und unterstützen den Dialog über eine UN-Altenrechtskonvention. Maßnahmen zur Vermittlung digitaler Kompetenzen und Sicherstellung barrierefreier digitaler Angebote sind vorgesehen.
- DIE LINKE: Setzt sich für die Ergänzung von Artikel 3 GG um das Merkmal „Lebensalter“ ein und fordert eine UN-Altenrechtskonvention. Sie betonen die Notwendigkeit, Diskriminierung durch KI zu verhindern und fordern Transparenz bei Entscheidungsprozessen.
- FDP: Lehnt die Erweiterung von Artikel 3 GG ab, da bestehende Antidiskriminierungsgesetze als ausreichend erachtet werden. Sie unterstützen jedoch die Entwicklung internationaler Standards zum Schutz älterer Menschen und betonen die Bedeutung von Transparenz und Fairness bei KI-Systemen.
- BSW: Befürwortet die Ergänzung von Artikel 3 GG um das Merkmal „Lebensalter“ und unterstützt die Einführung einer UN-Altenrechtskonvention. Sie fordern klare Regelungen, um Diskriminierung durch KI zu verhindern, und setzen sich für den Schutz älterer Menschen in allen Lebensbereichen ein.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Erweiterung von Artikel 3 GG um „Lebensalter“ | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, BSW |
| Unterstützung einer UN-Altenrechtskonvention | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, FDP, BSW |
| Maßnahmen gegen Diskriminierung durch Künstliche Intelligenz | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, FDP, BSW |
3. Thema: Digitale Teilhabe fördern, analoge Teilhabe sicherstellen
Die BAGSO hat folgende Fragen an die Parteien gerichtet:
- Mit welchen konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei verhindern, dass Menschen, die das Internet nicht nutzen, von der Teilhabe am öffentlichen Leben ausgeschlossen werden?
- Wie wird sich Ihre Partei für einen Ausbau digitaler Lern- und Erfahrungsorte einsetzen?
Das fordert die BAGSO im Handlungsfeld “Digitale Teilhabe fördern, analoge Teilhabe sicherstellen”
Die BAGSO fordert, dass alle öffentlichen Dienstleistungen auch analog verfügbar bleiben, um sicherzustellen, dass Bürgerinnen und Bürger ohne digitale Technik nicht ausgeschlossen werden. Zudem sollen ältere Menschen in die Entwicklung digitaler Angebote einbezogen und diese nutzerfreundlich gestaltet werden. Es wird auch gefordert, die Finanzierung einer digitalen Mindestausstattung in der Grundsicherung festzuschreiben.
Positionen der Parteien zur Förderung digitaler Teilhabe und Sicherstellung analoger Teilhabe:
- SPD: Betont die Notwendigkeit, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer digitalen Affinität, selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Plant den Ausbau von Programmen zur Förderung der Medienkompetenz für alle Altersgruppen.
- CDU/CSU: Möchte sicherstellen, dass alle Menschen, unabhängig vom Alter, digitale Angebote nutzen können. Plant die Fortsetzung von Projekten wie dem “DigitalPakt Alter”, um älteren Menschen den Zugang zur digitalen Welt zu erleichtern.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Zielt darauf ab, die Verwaltung durch Digitalisierung effizienter zu gestalten und gleichzeitig persönliche Kontakte zu ermöglichen. Plant den Ausbau von Strukturen zur Vermittlung digitaler Kompetenzen, damit ältere Menschen die digitalen Möglichkeiten nutzen können.
- FDP: Setzt auf digitale Souveränität und möchte durch eine Digitaloffensive für Seniorinnen und Senioren mit verständlichen Schulungen und Unterstützungsangeboten die digitalen Kompetenzen fördern.
- DIE LINKE: Fordert, dass alle notwendigen Dienstleistungen sowohl digital als auch analog ohne finanzielle Mehrbelastung verfügbar sind. Betont, dass Digitalisierung soziale Interaktionen ergänzen, aber nicht ersetzen sollte. Möchte wohnortnahe, barrierefreie Lernräume schaffen, in denen digitale Kompetenzen vermittelt werden.
- BSW: Betont, dass Menschen ohne digitale Endgeräte nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden dürfen. Fordert ein gesetzlich verankertes Recht auf analoge Teilhabe und den Ausbau von Lernangeboten, insbesondere für ältere Menschen, zur Vermittlung digitaler Kompetenzen.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Analoge Verfügbarkeit öffentlicher Dienstleistungen | SPD, CDU/CSU, DIE LINKE, BSW |
| Einbindung älterer Menschen in die Entwicklung digitaler Angebote | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE |
| Finanzierung einer digitalen Mindestausstattung in der Grundsicherung | DIE LINKE, BSW |
4. Thema: Kommunale Altenhilfe stärken
Die BAGSO hat folgende Frage an die Parteien gerichtet:
Wie wird Ihre Partei die Länder dabei unterstützen, in den Kommunen strukturelle Mindeststandards für die Altenhilfe nach § 71 SGB XII (insbesondere Beratung, Begegnung und Engagementförderung) zur Schaffung lebendiger, diversitätssensibler Sozialräume auszubauen?
Das fordert die BAGSO im Handlungsfeld “Kommunale Altenhilfe stärken”
Die BAGSO fordert den Ausbau kommunaler Altenhilfestrukturen gemäß § 71 SGB XII, insbesondere in den Bereichen Beratung, Begegnung und Engagementförderung. Ziel ist die Schaffung lebendiger und diversitätssensibler Sozialräume, die älteren Menschen eine aktive Teilhabe ermöglichen. Die BAGSO betont die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen, um flächendeckende Mindeststandards in der Altenhilfe zu etablieren.
Positionen der Parteien zur Kommunalen Altenhilfe:
- SPD: Setzt sich für eine bundesweit einheitliche Stärkung der kommunalen Altenhilfe ein. Unterstützt die Umsetzung von § 71 SGB XII durch eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen. Will eine engere Verzahnung von Pflege-, Gesundheits- und Teilhabeangeboten sicherstellen.
- CDU/CSU: Will inklusive Sozialräume für ältere Menschen fördern, um Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Unterstützt die Schaffung barrierefreier Treffpunkte und Beratungsangebote. Sieht ehrenamtliches Engagement als zentrale Säule der kommunalen Altenhilfe.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Betont die Bedeutung der kommunalen Daseinsvorsorge zur Förderung sozialer Teilhabe. Will eine Bedarfsanalyse zur Altenhilfe in allen Kommunen einführen, um passgenaue Maßnahmen zu entwickeln. Fördert altersgerechte Stadt- und Quartiersentwicklung.
- FDP: Plädiert für eine stärkere Autonomie der Kommunen in der Altenhilfe. Will bürokratische Hürden abbauen und eine flexiblere Mittelvergabe für kommunale Projekte ermöglichen. Betont die Bedeutung innovativer Konzepte wie Mehrgenerationenhäuser.
- DIE LINKE: Fordert eine gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung kommunaler Altenhilfe. Möchte die finanzielle Unterstützung der Kommunen für Altenhilfestrukturen erheblich ausweiten. Setzt sich für den Ausbau öffentlicher Begegnungsstätten ein.
- BSW: Fordert eine deutliche Erhöhung der finanziellen Mittel für Kommunen zur Förderung von Begegnungsstätten, ehrenamtlichem Engagement und quartiersnahen Unterstützungsangeboten. Setzt sich für eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und sozialen Trägern ein.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Ausbau kommunaler Altenhilfestrukturen | SPD, DIE LINKE, FDP, BSW |
| Schaffung lebendiger, diversitätssensibler Sozialräume | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, FDP, BSW |
| Enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen | CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, FDP, BSW |
5. Thema: Bezahlbares und alternsgerechtes Wohnen
Die BAGSO hat folgende Fragen an die Parteien gerichtet:
Mit welchen konkreten Maßnahmen wird sich Ihre Partei für einen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus einsetzen?
Wie stellen Sie sicher, dass Modernisierungen für Wohneigentümer und Mieter bezahlbar bleiben?
Mit welchen Maßnahmen wollen Sie ältere Menschen vor den Folgen des Klimawandels schützen?
Die BAGSO fordert von der Politik im Bereich bezahlbares und alternsgerechtes Wohnen Folgendes:
Die BAGSO fordert einen verstärkten Ausbau des sozialen und barrierefreien Wohnungsbaus, um älteren Menschen bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum zu sichern. Zudem sollen Modernisierungen sozialverträglich gestaltet werden, damit weder Mieter noch Eigentümer finanziell überlastet werden. Angesichts des Klimawandels betont die BAGSO die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Schutz älterer Menschen vor extremen Wetterereignissen, wie etwa die Förderung von Gebäudekühlung und Hitzeschutz.
Positionen der Parteien zum Handlungsfeld “bezahlbares, alternsgerechtes Wohnen”:
- SPD: Erhöht die Mittel für den sozialen Wohnungsbau auf 21,65 Milliarden Euro bis 2028. Fördert gezielt Genossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Unterstützt gezielte Programme für die Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen wie Pflegeheimen und Krankenhäusern.
- CDU/CSU: Will Bundesmittel für den sozialen Wohnungsbau langfristig sichern und deren zweckgebundenen Einsatz durch die Länder gewährleisten. Fördert barrierefreie Umbaumaßnahmen mit gezielten Anreizen und setzt auf klare Regeln zur Umlagefähigkeit von Modernisierungskosten, um Mieter nicht übermäßig zu belasten.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Stellt bis 2027 18 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau bereit und plant eine weitere Erhöhung der Mittel. Setzt auf eine warmmietenneutrale energetische Sanierung, um Kostensteigerungen für Mieter zu vermeiden. Will ein sozial gestaffeltes Klimageld einführen, um Menschen mit niedrigen Einkommen bei steigenden Energiekosten zu entlasten.
- FDP: Plädiert für eine stärkere Rolle privater Investoren im sozialen Wohnungsbau durch steuerliche Anreize. Will Baukosten durch Deregulierung senken und innovative Technologien für energieeffiziente Modernisierungen nutzen. Unterstützt Klimaanpassungen, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll und für alle tragbar sind.
- DIE LINKE: Fordert einen massiven Ausbau des sozialen und barrierefreien Wohnungsbaus durch direkte staatliche Investitionen. Will Modernisierungskosten deckeln und verhindern, dass energetische Sanierungen zu Mieterhöhungen führen. Setzt sich für öffentliche Förderprogramme zum Schutz älterer Menschen vor den Folgen des Klimawandels ein.
- BSW: Fördert den genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsbau als Alternative zu profitorientierten Investoren. Will Modernisierungskosten nicht auf Mieter umlegen und setzt auf staatliche Zuschüsse für soziale Wohnprojekte. Plant Programme, um ältere Menschen gezielt vor extremen Wetterereignissen zu schützen. Einführung eines bundesweiten Mietendeckels für bezahlbaren Wohnraum.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Ausbau des sozialen und barrierefreien Wohnungsbaus | CDU/CSU, SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, BSW |
| Sozialverträgliche Gestaltung von Modernisierungskosten | CDU/CSU, SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, BSW |
| Schutz älterer Menschen vor den Folgen des Klimawandels | SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, BSW |
6. Thema: Barrierefreiheit und Mobilität sicherstellen
Die BAGSO hat folgende Fragen an die Parteien gerichtet:
- Wie wird Ihre Partei eine umfassende Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, z. B. in Gesundheitseinrichtungen, im Einzelhandel und bei Mobilitätsangeboten, aber auch bei Wohnungen und technischen Geräten sicherstellen?
- Wie werden Sie Länder und Kommunen dabei unterstützen, Mobilität in ländlichen Räumen zu gewährleisten?
Das fordert die BAGSO von der Politik der kommenden Jahre im Bereich Barrierefreiheit und Mobilität:
Die BAGSO fordert die konsequente Umsetzung von Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen, um älteren Menschen uneingeschränkte Teilhabe zu ermöglichen. Dazu zählen der öffentliche Raum, der Wohnungsbau, digitale Technologien sowie der Gesundheitssektor. Zudem sollen Länder und Kommunen dabei unterstützt werden, insbesondere in ländlichen Regionen, durch flexible und barrierefreie Mobilitätsangebote die Erreichbarkeit sicherzustellen.
Positionen der Parteien zum Handlungsfeld “Barrierefreiheit und Mobilität”
- SPD: Will private Anbieter gesetzlich zum Abbau von Barrieren verpflichten. Setzt auf den Ausbau der Bundesinitiative Barrierefreiheit und die Bundesfachstelle für Barrierefreiheit. Fördert barrierefreien Wohnungsbau und alternative Mobilitätsangebote wie Bürgerbusse und Ruf-Taxis.
- CDU/CSU: Sieht Barrierefreiheit als gesellschaftlichen Mehrwert. Will Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu Informationen verbessern. Fordert die schnelle Beseitigung von Barrieren im ÖPNV und Maßnahmen gegen Hindernisse im öffentlichen Raum. Will Stadtentwicklungsprogramme weiterentwickeln.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Fordern Barrierefreiheit in allen Bereichen, analog und digital. Wollen Bundesgebäude innerhalb von zehn Jahren barrierefrei machen. Streben verpflichtende Barrierefreiheit für Dienstleistungen an und setzen auf den flächendeckenden barrierefreien Ausbau des ÖPNV mit Rufbussen und On-Demand-Systemen.
- FDP: Will Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und in digitalen Angeboten verbessern. Setzt auf flexible Rufbusse und digitale Plattformen zur Stärkung der Mobilität in ländlichen Räumen. Will private Investitionen in barrierefreie Infrastruktur fördern.
- DIE LINKE: Will private Anbieter zur Barrierefreiheit verpflichten und ein einklagbares Recht auf Barrierefreiheit einführen. Setzt auf flächendeckenden barrierefreien Nahverkehr und kostenlose Nutzung für Menschen mit Behinderungen. Fordert den Ausbau von barrierefreien Wohnungen und eine bessere Finanzierung des ÖPNV.
- BSW: Will ein umfassendes Barrierefreiheitsgesetz für öffentliche und private Bereiche. Fördert den barrierefreien Wohnungsumbau und setzt auf staatliche Unterstützung für den ÖPNV in ländlichen Gebieten. Will Mobilitätsdienste wie Bürgerbusse ausbauen.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Umfassende Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen | SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, BSW |
| Unterstützung für Mobilität in ländlichen Räumen | SPD, FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, BSW |
7. Thema: Bedarfsgerechte Sorge und Pflege sichern
Die BAGSO hat folgende Fragen an die Parteien gerichtet:
- Wie will Ihre Partei eine bedarfsgerechte gesundheitliche und pflegerische Versorgung in Stadt und Land sicherstellen?
- Wie werden Sie gewährleisten, dass Sorge und Pflege für die Betroffenen wieder bezahlbar wird?
- Treten Sie dafür ein, eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige einzuführen?
Das fordert die BAGSO von der Politik in Sachen Sorge und Pflege:
Die BAGSO fordert eine flächendeckende, qualitativ hochwertige gesundheitliche und pflegerische Versorgung, die sowohl in urbanen als auch in ländlichen Gebieten gewährleistet ist. Pflegeleistungen sollen finanziell tragbar sein, ohne die Betroffenen in finanzielle Not zu bringen. Zudem setzt sich die BAGSO für die Einführung einer Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige ein, um deren Engagement finanziell anzuerkennen und zu unterstützen.
Positionen der Parteien zum Handlungsfeld “Bedarfsgerechte Sorge und Pflege”:
- SPD: Ausbau von Tages- und Nachtpflege, bessere Infrastrukturplanung. Einführung eines Pflegekosten-Deckels mit Eigenanteilen von maximal 1.000 Euro. Entlastung bei Investitionskosten von Pflegeheimen. Lohnersatz für pflegende Angehörige nach dem Vorbild des Elterngeldes.
- CDU/CSU: Stärkere Einbindung anderer Gesundheitsberufe in Pflege. Stabilisierung der Pflegefinanzierung durch eine Mischung aus Versicherung, betrieblicher Mitfinanzierung, Steuermitteln und individueller Vorsorge. Prüfung einer Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Vernetzung von ambulanten und stationären Angeboten. Erhöhung der Pflegeversicherungsleistungen zur finanziellen Entlastung. Einführung eines zeitlich begrenzten Einkommensausgleichs für pflegende Angehörige.
- FDP: Vereinheitlichung der Pflegeausbildung, Förderung ausländischer Fachkräfte. Ausbau der Telemedizin und Präventionsstrategien. Keine Deckelung der Eigenanteile, sondern Reform der Pflegeversicherung. Verbesserung der Kurzzeitpflege und finanzielle Unterstützung für pflegende Selbstständige.
- DIE LINKE: Einführung einer Pflegevollversicherung ohne Eigenanteile. Ausbau öffentlicher Pflegeangebote und bessere Finanzierung für stationäre Einrichtungen. Einführung eines staatlich finanzierten Lohnausgleichs für pflegende Angehörige.
- BSW: Forderung nach einer solidarischen Pflegevollversicherung ohne Eigenanteile. Stärkung der öffentlichen und gemeinnützigen Pflegeanbieter. Einführung einer finanziellen Unterstützung für pflegende Angehörige und Ausbau von Kurzzeitpflegeplätzen.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Flächendeckende, qualitativ hochwertige gesundheitliche und pflegerische Versorgung | SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, FDP, BSW |
| Finanzielle Entlastung bei Pflegekosten | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, BSW |
| Einführung einer Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige | SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, BSW |
8. Thema: Engagement und Partizipation fördern
Die BAGSO hat folgende Fragen an die Parteien gerichtet:
- Wie wird Ihre Partei das Engagement und die Mitwirkung und Partizipation Älterer stärken?
- Wie werden Sie das Engagement älterer Menschen insbesondere in strukturschwachen Räumen und von bislang unterrepräsentierten Gruppen fördern?
Das fordert die BAGSO bei der Förderung von Engagement und Partizipation
Die BAGSO fordert die Stärkung des Engagements und der Partizipation älterer Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Förderung in strukturschwachen Regionen und der Einbindung bislang unterrepräsentierter Gruppen. Ziel ist es, durch geeignete Maßnahmen und Programme die aktive Mitwirkung Älterer zu unterstützen und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu sichern.
Positionen der Parteien zum Handlungsfeld “Engagement und Partizipaiton”
- SPD: Fördert Bürgerforen, Partizipationsprojekte und Bürgerräte. Schafft mit dem Demokratiefördergesetz eine rechtliche Grundlage für zivilgesellschaftliche Initiativen. Stärkt strukturschwache Regionen durch Investitionen und Reformen. Modernisiert das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz für besseren Diskriminierungsschutz.
- CDU/CSU: Unterstützt Seniorenengagement, besonders in strukturschwachen Regionen. Fördert Mehrgenerationenhäuser und Freiwilligenagenturen. Stärkt Nachbarschaftshilfe und lokale Netzwerke. Engagiert sich gegen Altersdiskriminierung und Einsamkeit durch abgestimmte Hilfsangebote.
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Will Engagementstrukturen für Ältere ausbauen und bislang unterrepräsentierte Gruppen besser einbinden. Setzt auf die bundesweite Engagementstrategie und die Strategie gegen Einsamkeit. Fördert Projekte wie den DigitalPakt Alter mit Erfahrungsorten und Internethelfer*innen.
- DIE LINKE: Fordert ein bundesweites Engagementgesetz für eine stärkere finanzielle Absicherung ehrenamtlicher Arbeit. Will eine Engagementkarte mit Vergünstigungen einführen. Setzt auf öffentliche Unterstützung für Senior*innen-Vertretungen und lokale Engagement-Strukturen.
- FDP: Setzt auf flexiblere Ehrenamtsregelungen und steuerliche Anreize für gemeinnütziges Engagement. Fördert digitale Plattformen zur Vernetzung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Will Anreize für Unternehmen schaffen, die ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeitenden unterstützen.
- BSW: Will eine stärkere Förderung ehrenamtlicher Strukturen, besonders in benachteiligten Regionen. Fordert bessere finanzielle Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit und den Ausbau lokaler Treffpunkte zur Engagementförderung.
Ein Überblick zu den Forderungen der BAGSO:
| Forderungen der BAGSO | Parteien, die diese unterstützen bzw. nahe dran sind |
|---|---|
| Stärkung des Engagements und der Partizipation älterer Menschen | SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, FDP, BSW |
| Förderung in strukturschwachen Regionen | SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, BSW |
| Unterstützung unterrepräsentierter Gruppen | SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE, BSW |
Hinweise der Sächsischen Generationenagentur
Die Leitsätze der BAGSO haben darüber entschieden, welchen Parteien die Wahlprüfsteine zur Beantwortung gesendet worden sind. Die Leitsätze (https://www.bagso.de/die-bagso/leitsaetze-der-bagso/) legen Werte zu Grunde, die die AfD nicht vertritt, hieß es auf unsere Nachfrage, ob alle im Bundestag vertretenden Parteien mit den Wahlprüfsteinen konfrontiert worden sind.
Jedem steht oder stand es frei, diese oder auch andere Fragen an jede Partei der aktuellen Wahlperiode zu senden und deren Antworten zu veröffentlichen. Themen wie Inklusion oder Gleichstellung stehen im Kontext seniorenpolitischer Fragen in der Generationenarbeit und sind Voraussetzung für mehr soziale Gerechtigkeit gegenüber Benachteiligten. Wir können nur alle Wählenden dazu ermutigen, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, bei den Parteien nachzufragen. Fakt ist, wir haben es vor allem im ländlichen Räumen mit einer zunehmenden Überalterung zu tun. Das ist bei uns in Sachsen sicherlich noch stärker ausgeprägt als in den alten Bundesländern und doch ist es ein Thema, das ganz Deutschland angeht.
Die Antworten auf die Wahlprüfsteine der BAGSO zeigen, dass es unterschiedliche Konzepte für ein würdevolles Altern, für soziale Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe gibt. Doch eines steht fest: Die Herausforderungen des demografischen Wandels lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Es geht darum, Lösungen zu finden, die allen Generationen gerecht werden.
Anstatt mit Sorge auf die Wahl zu blicken, sollte sie als Möglichkeit begriffen werden, aktiv mitzugestalten. Demokratie lebt von Beteiligung – und jede Stimme trägt dazu bei, die Zukunft mit zu formen. Die BAGSO hat mit den Wahlprüfsteinen ihre wichtigsten Fragen aufgeworfen – nun liegt es an den Wählerinnen und Wählern, ihre Antworten zu geben.
Die Quellen für diesen Beitrag lieferte die Internetseite bagso.de.
Vielen Dank für die Aufbereitung durch das Team der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V.
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