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Best Practice – Generationenhof

Die Generationenhof gGmbH aus dem Landkreis Leipzig – ein Gewinner des ALVI-Awards – steht sinnbildlich für ein zukunftsfähiges Wohn- und Lebenskonzept, das generationenübergreifendes Miteinander und aktive Teilhabe aller Bewohner:innen in den Mittelpunkt stellt. Menschen verschiedenster Altersgruppen finden auf dem Hof ein gemeinsames Zuhause, in dem sie voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinschaftlich wachsen können.

In diesem Sinne ist der Generationenhof nicht nur ein Wohnprojekt, sondern ein gelebtes Modell für soziale Teilhabe, Verantwortung und Gemeinschaft.

Der Leitgedanke des Vorhabens materialisiert sich dabei in der Überzeugung, Menschen unterschiedlichster Altersgruppen unter einem Dach zu vereinen.

Jeder der vier Preisträger:innen wird nun im Folgejahr als Best-Practice-Beispiel für die Generationenarbeit im Rahmen einer Portraitierung als niedrigschwellige Handreichung aufbereitet.

Auf dieser Seite geben wir Ihnen eine Übersicht in Kurzform. Das vollständige Porträt zum Generationenhof finden Sie unten auf dieser Seite – als PDF zum lesen und herunterladen.

In welches Handlungsfeld der Generationenarbeit lässt sich das Projekt einordnen?

Lebens- und Wohnumfeld – Das Projekt unterstützt das intergenerationale Zusammenleben und ermöglicht Menschen aller Altersgruppen, die gemeinsame Gestaltung des Hoflebens selbst in die Hand zu nehmen.


Schwerpunkte der Portraitierung – Generationenhof aus dem Landkreis Leipzig

Zielgruppen und Generationen

Auf dem Generationenhof finden Menschen unterschiedlichster Altersgruppen ein Zuhause. So leben auf dem Generationenhof nicht nur ältere Menschen, sondern auch Erwachsene und Kinder respektive Jugendliche, die nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können.

Dabei liegt der Fokus neben dem gemeinsamen Wohnen auf einem aktiven, generationenübergreifenden Miteinander. Dieses Setting ist als Grundstein einer Gemeinschaft zu verstehen, in der alle Bewohner:innen ihre individuellen Stärken und Fähigkeiten einbringen können – sei es durch handwerkliche Arbeit, Gartenpflege, künstlerische Projekte oder das Organisieren von Festen und Veranstaltungen. 

Umsetzung der seniorenpolitische Strategie

Die Idee zum Generationenhof entstand aus dem Alltag einer Familie, in der Pflegekinder betreut und zugleich eine pflegebedürftige Großmutter versorgt wurde. Aus diesem gelebten Miteinander wuchs die Vision, generationenübergreifendes Leben auch im größeren Rahmen zu ermöglichen – ein Konzept, das Gründerin Monika Schmidt und ihre Tochter Sina Gado auf einem historischen Vierseitenhof im Landkreis Leipzig realisierten.

Heute leben dort rund 30 Menschen im Alter von zwei bis 82 Jahren. Der Hof vereint verschiedene Lebensrealitäten unter einem Dach: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior:innen wohnen, arbeiten und gestalten das Leben auf dem Hof gemeinsam.

Wirkung und Ergebnisse

Der Generationenhof zeigt eindrucksvoll, wie generationsübergreifendes Zusammenleben funktionieren und für alle Beteiligten zu einer echten Bereicherung werden kann. Die enge Verbindung von Alltag, Verantwortung und sozialen Beziehungen schafft eine Atmosphäre, in der Vertrauen langsam, aber stetig gedeihen kann. Für Kinder und Jugendliche mit belasteten Lebensgeschichten ist dieser Aspekt von besonderer Bedeutung. Sie erleben hier nicht nur pädagogische Betreuung, sondern auch Zugehörigkeit, Wertschätzung und Teilhabe im Alltag.

Für ältere Bewohner:innen wiederum bedeutet das Leben auf dem Hof ein aktives Altern. Schließlich engagieren sich die Bewohner:innen in unterschiedlichen Projekten – viele davon selbst initiiert –, wobei Entscheidungen gemeinschaftlich ausgehandelt und Verantwortlichkeiten verteilt werden. Dieser partizipative Prozess stärkt nicht nur ihre Selbstwirksamkeit, sondern macht demokratische Prinzipien im Alltag konkret erfahrbar. Auf diese Weise leistet der Generationenhof einen wertvollen Beitrag zur sozialen Integration, zum generationenübergreifenden Austausch und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Übertragbarkeit

Der Generationenhof ist kein klassisches Modellvorhaben – seine Entstehungsgeschichte, die dahinterstehende Struktur und die damit einhergehende Dynamik sind stark geprägt von den Menschen, die das Vorhaben tragen. Und doch zeigt das Projekt beispielhaft, welche Elemente auch andernorts ein generationenübergreifendes Leben beflügeln können. In diesem Sinne darf das Projekt nicht als starre Vorlage verstanden werden, sondern als Inspirationsquelle mit erprobten, übertragbaren Bausteinen.

Bei genauer Betrachtung lassen sich eine ganze Reihe von Elementen identifizieren, die in anderen Kontexten punktuell aufgegriffen werden können. Dazu zählen beispielsweise die sozialpädagogische Ausrichtung in Verbindung mit gemeinschaftlichem Wohnen oder auch die Vielfalt an Wohnformen, die unterschiedlichen Lebensphasen und Bedürfnissen gerecht werden kann. Ebenfalls von Interesse sind die regelmäßigen Struktur- und Beteiligungsformate, die der Generationenhof etabliert hat, etwa der Hofweihnachtsmarkt, die monatlichen Gemeinschaftsabende oder die zeitweise Wandlung zum Austragungsort kultureller Veranstaltungen.

Hemmende und fördernde Faktoren

Im Laufe des Projektes zeigten sich sowohl fördernde als auch hemmende Faktoren, die im Folgenden aufgeschlüsselt werden sollen.

Fördernde Faktoren

Durch das gemeinsame Leben auf dem Hof und die wechselseitige Unterstützung entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Viele Bewohner:innen identifizieren sich mit dem Ort und dem Vorhaben. Diese emotionale Verbundenheit wirkt nicht nur identitätsstiftend, sondern motiviert auch dazu, Verantwortung für das gemeinsame Leben zu übernehmen.

Alltagsnahe Mitgestaltung, etwa durch gemeinschaftlich geplante Projekte oder regelmäßige Veranstaltungen, stärkt dabei die Selbstwirksamkeit aller Beteiligten. Insbesondere durch niedrigschwellige Teilhabemöglichkeiten – unabhängig von Alter oder Herkunft – können sich alle mit ihren individuellen Fähigkeiten einbringen.

Hemmende Faktoren

Gleichzeitig bringt die Vielfalt der Generationen auch Herausforderungen mit sich. Unterschiedliche Kommunikationsstile, bisweilen auch Lebensrealitäten können zu Spannungen führen, die wiederum moderiert werden müssen. Konflikte entstehen dabei weniger durch das Zusammenleben an sich, sondern durch unausgesprochene Erwartungen, kulturell gewachsene Differenzen oder unterschiedliche biografische Prägungen zwischen den Generationen.

In diesem Zusammenhang zeichnen sich die vom Generationenhof implementierten Gesprächsformate aus, die einen tragfähigen Verständigungsprozess stützen. Sie dienen nicht nur dem Austausch und der Planung gemeinsamer Aktivitäten, sondern auch als bewährtes Instrument zur Konfliktbewältigung und Prävention, indem sie es ermöglichen, Spannungen frühzeitig zu erkennen, auszutragen und konstruktiv zu bearbeiten.

Tipps und Tricks aus Sicht der Beteiligten

Die Projektbeteiligten blicken insgesamt positiv auf den Entwicklungsprozess – und haben zugleich konkrete Hinweise formuliert, was sich aus heutiger Sicht bewährt hat und wo sie rückblickend anders agieren würden.

Ein wichtiger Tipp:

Ein wichtiger Tipp aus dem Projekt ist die Ausrichtung auf einen klaren Grundauftrag, der über das unmittelbare Zusammenleben auf dem Hof hinausreicht und dementsprechend die Funktion eines Kompasses einnehmen kann.

Eine stabilisierende Funktion
  • Die Gemeinschaft auf dem Generationenhof ist nicht zufällig gewachsen, sondern verfolgte im Ursprung das Ziel, Kindern und Jugendlichen, die nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien leben können, ein wohlbehütetes Zuhause zu geben. Auch wenn es allen Beteiligten immer auch um die Bildung einer Gemeinschaft geht, wirkt dieser Auftrag bis heute für alle Mitwirkenden als Orientierungspunkt.
  • Dieser Außenauftrag hat aus Sicht der Beteiligten deshalb eine stabilisierende Funktion. Er verhindert, dass sich die Hofgemeinschaft in internen Dynamiken verliert. Stattdessen kann man sich immer wieder auf diesen Außenauftrag zurückbesinnen. In diesem Zusammenhang wirkt auch die Tätigkeit in freier Trägerschaft für das Jugendamt Leipzig fördernd. 

Weiterführende Informationen, Projektteam

Homepage www.generationenhof.org

Quelle: Screenshot Startseite www.generationenhof.org

Hofgemeischaft

Bildquelle: Einreichung zum ALIV-Award 2024

Bildquelle: privat

„Generationenübergreifendes Zusammenleben ist ein großer Schatz, weil man sich im Alltag begegnet und unterstützt!“

Philipp Apke, Bewohner des Generationenhofs

Komplettfassung der Portraitierung zum Download

Verfasser des Portraits zum Generationenhof

Dr. Philipp Thimm | Wissenschaftliche Begleitung & Evaluation

Der Sozial- und Politikwissenschaftler treibt die Entwicklungsarbeit der Sächsischen Generationenagentur weiter voran. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeiten stehen die Analyse von Sozialräumen, die Portraitierung von Best-Practice-Beispielen und die Entwicklung eines Bewertungsindexes – etwa für den diesjährigen Generationenaward.

Sie haben Fragen zur Evaluierung oder möchten für eine mögliche Übertragung unterstützt werden?  

Kontaktieren Sie Dr. Philipp Thimm: pt@generationen-in-sachsen.de

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