Unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – generationengerecht arbeiten“ trafen sich am 11. und 12. November mehr als 80 Teilnehmende zur Digitalen Tafelrunde der Sächsischen Generationenagentur (SGA) – diesmal in Kooperation mit dem Gesamtbetriebsrat des Goethe-Instituts.
In zwei einstündigen, digitalen Runden waren vor allem Mitarbeitende des Goethe-Instituts aus verschiedenen Standorten, aber auch Vertreter:innen von IHK, HWK und der Verbraucherzentrale Sachsen anwesend. Im Mittelpunkt standen Fragen, wie Arbeitsstrukturen so gestaltet werden können, dass sie Menschen aller Altersgruppen respektieren, einbinden und stärken. Nach einer kurzen Anmoderation durch Dr. Philipp Thimm von der SGA ging das Wort an die Mitinitiatorinnen aus dem Betriebsrat des international hoch angesehenen Instituts, das sich seit 1951 für internationale kulturelle Zusammenarbeit einsetzt und mit rund 150 Standorten in 99 Ländern vertreten ist. Besonders eindrücklich waren die Beiträge von zwei mutigen Beschäftigten, die ihre persönlichen Erfahrungen mit Altersdiskriminierung im Berufsleben teilten.
Eine Perspektive kam aus der Lebensphase des Berufseinstiegs – ein wichtiger Hinweis darauf, dass Altersdiskriminierung im Arbeitsleben nicht nur ältere, sondern ebenso junge Menschen betreffen kann.


Digitale Tafelrunde – ein Austauschformat zu Generationenthemen
Die Digitale Tafelrunde ist erst in diesem Jahr gestartet – mit einem klaren Ziel: einen offenen, niedrigschwelligen Raum für alle zu schaffen, die Generationen verbinden (möchten). Seit dem ersten „Gedeck“ im Juni diesen Jahres bringt das Format in jedem Quartal Akteur:innen aus Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Trägerlandschaft und Initiativen zusammen, um Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und voneinander zu lernen. Mal themenoffen, mal mit Schwerpunkt – aber immer mit dem Fokus auf Austausch, Vernetzung und praktische Impulse.
Mit der Tafelrunde im November ist etwas Neues hinzugekommen: Zum ersten Mal wurde das Format ganz bewusst mit einem betrieblichen Partner – dem Gesamtbetriebsrat des Goethe-Instituts – gemeinsam gestaltet.
Im Dialog: Sächsische Generationenagentur und Betriebsrat des Goethe-Instituts
Wie es zu dieser Idee kam – kurz zusammengefasst:
Am Anfang stand eine wertschätzende Anfrage des Gesamtbetriebsrats des Goethe-Instituts. Mit einem sehr konstruktiven und vorwärtsgewandten Blick stellte der Gesamtbetriebsrat des Goethe-Instituts die Frage, wie sich die Themen Altersdiskriminierung und generationengerechte Arbeitsstrukturen in einem weltweit tätigen Kulturinstitut sinnvoll und wirksam angehen lassen. Von Beginn an wurde deutlich, dass dem Goethe-Institut die Anliegen seiner Beschäftigten wirklich wichtig sind – und dass der Betriebsrat aktiv nach guten, umsetzbaren Lösungen sucht.
Aus diesem gemeinsamen Verständnis entstand die Idee, die Digitale Tafelrunde als Dialogplattform zu nutzen
- offen genug, um vielfältige Perspektiven einzubeziehen,
- klar strukturiert, um Orientierung zu schaffen,
- praxisorientiert, damit aus dem Input auch konkrete Anregungen für den Arbeitsalltag entstehen können.
So wurde aus einer ersten Anfrage eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die wir gemeinsam weiterführen möchten.
Impuls von Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt: Altersdiskriminierung im Berufsleben
Den fachlichen Einstieg gestaltete Prof. (em.) Dr. Frank Schulz-Nieswandt (Universität zu Köln, Kuratorium Deutsche Altershilfe). In seinem Impulsvortrag spannte er den Bogen von grundlegenden Fragen der Menschenwürde hin zu ganz konkreten Herausforderungen in der Arbeitswelt: von negativen Altersbildern, über Hierarchien in Organisationen bis hin zu der Frage, wie Unternehmen Demografie wirklich ernst nehmen können. Der Impuls diente bewusst als „Denk-Anstoß“: Er ordnete das Thema wissenschaftlich ein – und öffnete anschließend Raum für die Erfahrungen der Beschäftigten und der weiteren Teilnehmenden.

In kleinen Austauschrunden ging es u. a. darum,
- wo Altersdiskriminierung im Alltag sichtbar wird,
- welche Rolle Führung und Unternehmenskultur spielen,
- und wie gute Beispiele generationengerechter Zusammenarbeit aussehen können.
Kerngedanken aus dem Impuls von Prof. Dr. Schulz-Nieswandt
Menschenwürde als Maßstab
Diskriminierung verletzt immer die Würde der Person – rechtlich verankert u. a. in Grundgesetz, internationalen Menschenrechtsabkommen und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Diskriminierung als „strukturelle Gewalt“
Bevormundung, Kränkung, Ausgrenzung oder abwertende Kommunikation können sich in Arbeitsbeziehungen einschleifen und Betroffene langfristig belasten.
Ageismus und Adultismus
Negative Bilder über „die Älteren“ (Ageismus) und „die Jüngeren“ (Adultismus) wirken als Stereotype – statt Vielfalt innerhalb der Generationen zu sehen. Gefragt ist Dialog statt „Jugendwahn“ oder „Gerontokratie“.
Diversität mitdenken
Altersdiskriminierung überlagert sich oft mit Sexismus, Rassismus, Ableismus oder Klassismus. Entscheidend ist eine Kultur der kritischen, aber dialogischen Auseinandersetzung – nicht vorschnelle „Cancel Culture“.
Arbeitswelt fair gestalten
Arbeit basiert auf Gegenseitigkeit: Leistungspflicht der Beschäftigten und Fürsorgepflicht der Arbeitgeber. Wertschätzende Führung, Vertrauen, Beteiligung und nachhaltige Personalentwicklung sind zentrale Bausteine.
Integratives Demographiemanagement
Gesundheit, Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, lebenslanges Lernen, generationengemischte Teams und flexible Arbeitszeitmodelle gehören zusammengedacht – Wirkung statt Symbolpolitik.
Gemeinsame Verantwortung
Führungskräfte und Beschäftigte tragen jeweils Verantwortung: Strukturen zu verändern, aber auch eigene Lern- und Entwicklungschancen zu nutzen.
Was wir aus den beiden Tafelrunden mit dem Goethe-Institut mitnehmen
Die Beiträge aus beiden Terminen hatten eines gemeinsam: Sie machten deutlich, wie komplex das Thema generationengerechtes Arbeiten ist – und wie konkret es im Alltag wird. Genannt wurden u. a.:
- der Wunsch nach offenerer Kommunikation über Altersbilder im Team,
- der Bedarf an Weiterbildungsangeboten für alle Altersgruppen,
- die Bedeutung von transparenter Personalentwicklung und klaren Übergängen (z. B. bei Rollenwechseln oder dem Übergang in den Ruhestand),
- und die Frage, wie Führung so gestaltet werden kann, dass sich sowohl jüngere als auch ältere Mitarbeitende ernst genommen fühlen.
Für die Sächsische Generationenagentur war die Tafelrunde ein wichtiger Schritt, Generationenarbeit und betriebliche Realität enger zusammenzubringen. Die Erfahrungen fließen in die weitere Konzept- und Erprobungsphase der SGA ein – und in die gemeinsame Arbeit mit dem Goethe-Institut.
Save the Date: 25. Februar Symposium am Goethe-Institut Dresden
Die Kooperation mit dem Gesamtbetriebsrat vom Goethe-Institut wird fortgesetzt

Am 25.02. laden wir gemeinsam zu einem Folgetermin im Goethe-Institut in Dresden ein. Dort wollen wir die Themen der digitalen Tafelrunde wiederaufnehmen, vertiefen und mit weiteren praktischen Beispielen aus Sachsen und aus dem internationalen Kontext des Goethe-Instituts verbinden.
Save the Date: 25.02., Goethe-Institut Dresden
Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung folgen zeitnah über unsere Website und die Kanäle des Goethe-Instituts.



