Generationen 65+ in Sachsen: Erkenntnisse, Potenziale und Perspektiven
Wie vielfältig sind die Lebenslagen älterer Menschen in Sachsen – und was folgt daraus für eine generationengerechte Politik und Praxis? Diesen Fragen widmete sich die dritte Digitale Tafelrunde der Sächsischen Generationenagentur am 28. Juli 2026. Gemeinsam mit Dr. Christina Rauh von Rauh Research Management blickten die Teilnehmenden auf zentrale Ergebnisse des Gutachtens „Generationen 65+ in Sachsen. Lebenslagen und Potenziale“ und diskutierten, wie Teilhabe, Begegnung, Lernen und Engagement im Alter gestärkt werden können.
Begrüßung: Dialog über Generationen hinweg
Nach einer kurzen Einleitung durch Max Alexandrin von der Sächsischen Generationenagentur begrüßte Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt die Teilnehmenden und dankte für deren Engagement.
„Es freut mich, dass so viele Engagierte aus dem ländlichen Raum dabei sind. Ich bin der Meinung, dass auch die Älteren die jungen Generationen begeistern können – auch dafür, aufs Land zu kommen. Wer könnte das besser als die Menschen, die seit Jahrzehnten in den Regionen leben, ihren Erfahrungsschatz mit jüngeren Menschen teilen und somit den ländlichen Raum attraktiver machen?“, so Petra Köpping weiter.
Staatsministerin Petra Köpping.
Bildrechte: Sächsisches Staatsministerium für Soziales,
Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Generation 65+ in Sachsen: vielfältige Lebenslagen und Bedarfe
Im Mittelpunkt des fachlichen Impulses von Dr. Christina Rauh stand das Gutachten „Generationen 65+ in Sachsen“. Dafür wurden Daten aus rund 225 Statistiken und Quellen ausgewertet sowie zehn qualitative Interviews mit Expertinnen und Experten geführt. Die zentrale Erkenntnis: Ältere Menschen bilden keine homogene Gruppe. Das Gutachten empfiehlt deshalb ein differenziertes Altersbild, das unterschiedliche Lebenslagen und Teilhabechancen berücksichtigt – etwa die besonderen Armutsrisiken geschiedener Frauen, unverheirateter Hinterbliebener und von Einpersonenhaushalten. Lebenslagen, Einkommen, Bildung, Wohnformen, Gesundheit und Möglichkeiten zur Teilhabe unterscheiden sich erheblich.
- Mehr als eine Million Menschen in Sachsen sind 65 Jahre oder älter. Bis 2030 wird ihr Anteil weiter steigen. Zugleich sind ältere Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung deutlich stärker vertreten als Männer (57,2 Prozent gegenüber 42,8 Prozent).
Diese demografischen Entwicklungen wirken sich unter anderem auf Wohnen, Versorgung, gesellschaftliche Teilhabe und mögliche Einsamkeitsrisiken aus.
Teilhabe, Begegnung und Engagement stärken
Das Gutachten zeigt, dass armutsgefährdete, alleinlebende oder sozial wenig eingebundene ältere Menschen von bestehenden Angeboten häufig schlechter erreicht werden. Auch formal gering gebildete Ältere – darunter viele Seniorinnen der heute über 75-jährigen Generation – benötigen stärkere niedrigschwellige Zugänge zu Lernangeboten und Digitalisierung.
Das Wohnumfeld spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle:
- 34 Prozent der über 65-Jährigen besitzen Wohneigentum, 66 Prozent leben zur Miete und 31 Prozent in einer Genossenschaftswohnung.
- Gemeinschaftsräume, Quartierstreffs, Sitzgelegenheiten, Nachbarschaftsfeste und verlässliche Ansprechpersonen können Begegnung fördern und sozialer Isolation entgegenwirken.
- Die Präsentation zeigte auch, dass Einsamkeit im hohen Alter keineswegs die Regel ist, bestimmte soziale und wirtschaftliche Lebenslagen das Risiko aber deutlich erhöhen. Um dem entgegenzuwirken sind in den Landkreisen Nordsachsen und Mittelsachsen beispielsweise Dorfkümmerer auch im ländlichen Raum unterwegs.
Weitere Erfolgsbeispiele sind Mittagstische in Mehrgenerationenhäuser, Wunschgroßeltern („Leihomas und Leihopas“) oder Familienpatinnen und -paten. Großes Potenzial liegt zudem im Ehrenamt: In Sachsen engagiert sich etwa jede dritte Person über 65 Jahre, wobei die meisten Senioren und Seniorinnen sich im sozialen Bereich (z.B. bei der Tafel) engagieren; rund 195.000 weitere ältere Menschen wären grundsätzlich offen für ein Engagement. Dafür ist es aber nötig, flexiblere Aufgabenverteilung zu schaffen und zu bedenken, dass auch viele ältere Menschen nur begrenzt Zeit im Alltag zur Verfügung haben.
Barrierearme und digitale Formate sowie eine gezielte Ansprache am Rande von bestehenden Projekten können den Zugang erleichtern. Auch beim lebenslangen Lernen gilt es, zu verstehen, dass auch Menschen im höheren Alter noch bereit sind, sich neues Wissen anzueignen und ihre Erfahrungen und Kompetenzen an andere Generationen weiterzugeben.
Gemeinsamer Austausch: Zugänge schaffen
In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, wie auch jene Menschen erreicht werden können, die sich bislang kaum in Mehrgenerationenhäusern, Initiativen oder formalen Beteiligungsformaten wiederfinden. Als mögliche Zugänge wurden aufsuchende Ansprache, z.B. im Umfeld von Kleidergruppen, an vertrauten sozialen Orten und bestehenden Einrichtungen im Quartier genannt. Beteiligung müsse dabei weiter gefasst werden als die Übernahme politischer Ämter oder die Nutzung des Wahlrechts und etwa auch gezielt Gespräche im Wohnumfeld einschließen.
Weitere Schwerpunkte waren die generationenübergreifende Prävention von Einsamkeit, der Aufbau sozialer Kommunikationsräume und der ergänzende Einsatz neuer Technologien. Im Vergleich mit anderen Bundesländern wurde deutlich, dass Sachsen einerseits innovative Ballungszentren wie Leipzig oder Dresden hat, aber auch viele demografische Entwicklungen bereits früher durchlebte und auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen kann. Beispielsweise werden in Brandenburg erst in den nächsten Jahren viele Menschen in großen Schüben in das Seniorenalter kommen.
Ausblick: Teil 2 - Die Generation 65+ selbst kommt zu Wort
An die Auswertung des Gutachtens soll eine direkte Befragung der Zielgruppe 65+ anschließen, um statistische Erkenntnisse um persönliche Erfahrungen, Bedarfe und Perspektiven älterer Menschen in Sachsen zu ergänzen. Dazu wird die Sächsische Generationenagentur im vierten Quartal 2026 eine vierte digitale Tafelrunde veranstalten, zu der Sie jetzt schon herzlich eingeladen sind. Das genaue Datum sowie Anmeldeinformationen folgen in Kürze.
Ein weiterer Termin für die 4. Digitale Tafelrunde 2026 folgt bald. Melden Sie sich auch gern bei unserem Newsletter an für aktuelle Infos.
Die digitale Tafelrunde ist ein Austauschformat für alle, die Generationen verbinden (möchten)
Wie gelingt gute Zusammenarbeit zwischen den Generationen? Und was brauchen Engagierte vor Ort, um generationenübergreifende Projekte erfolgreich umzusetzen? Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt der Digitalen Tafelrunde – dem offenen Gesprächsformat via Zoom-Gruppen-Chat. Es richtet sich an alle, die sich mit Generationenthemen beschäftigen:
An wen richtet sich das Format? [zum Weiterlesen ausklappen]
Die Digitale Tafelrunde richtet sich an alle, die Generationenarbeit in Sachsen mitgestalten oder sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessieren:
- Kommunen und Landkreise
- Unternehmen und Arbeitgeber
- Vereine und Initiativen
- Bildungseinrichtungen
- Pflege- und Gesundheitseinrichtungen
- Wissenschaft und Forschung
- Generationenbotschafter
- interessierte Bürgerinnen und Bürger
Was erwartet Sie beider Digitalen Tafelrunde? [zum Weiterlesen ausklappen]
Wir kommen gemeinsam ins Gespräch, um die Generationenarbeit in Sachsen voranzubringen. Dazu gibt es:
- Impulse aus Wissenschaft und Praxis
- Einblicke in erfolgreiche Projekte und Initiativen
- Austausch mit Akteuren aus ganz Sachsen
- Diskussion aktueller Generationenthemen
- neue Kontakte, Ideen und Kooperationen
Wir von der Sächsischen Generationenagentur verstehen uns als Impulsgeber:innen, Vernetzer:innen und Unterstützer:innen für generationenverbindende Strukturen im Land. Mit der Digitalen Tafelrunde wird ein Raum geschaffen, in dem Fragen gestellt, Perspektiven geteilt und Unterstützungsbedarfe offen benannt werden können. Es geht um Zuhören, Weiterdenken und Mitgestalten – digital, niedrigschwellig und direkt.
Was bisher auf den Tisch kam
Rückblick auf die 3. Digitale Tafelrunde 2026
Generationen 65+ in Sachsen: Erkenntnisse, Potenziale und Perspektiven Wie vielfältig sind die Lebenslagen älterer Menschen in Sachsen – und was folgt daraus für eine generationengerechte Politik und Praxis? Diesen Fragen widmete sich die dritte Digitale Tafelrunde der Sächsischen Generationenagentur am 28.
Digitale Tafelrunde mit Rauh Research Management
Generationen 65+ in Sachsen: Neue Erkenntnisse über Lebenslagen, Potenziale und Perspektiven Wir laden Sie herzlich ein, am 28. Juli zwischen 17 und 18 Uhr bei unserer Digitalen Tafelrunde Platz zu nehmen und mit uns und Gutachterin Dr. Christina Rauh zu diskutieren.
Digitale Tafelrunde mit dem Silbernetz e.V.
Digitale Tafelrunde
Wir decken den Tisch und laden Sie herzlich ein, am 21. April zwischen 17 und 18 Uhr Platz zu nehmen und mitzudiskutieren. Bringen Sie Ihre Perspektiven, Erfahrungen und Fragen mit – denn gute Gespräche entstehen dort, wo viele Stimmen gehört werden.
Dialog auf Schienen
Digitale Tafelrunde mit Goethe-Institut: “Generationengerecht arbeiten”
Unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – generationengerecht arbeiten“ trafen sich am 11. und 12. November mehr als 80 Teilnehmende zur Digitalen Tafelrunde der Sächsischen Generationenagentur (SGA) – diesmal in Kooperation mit dem Gesamtbetriebsrat des Goethe-Instituts. In zwei einstündigen, digitalen Runden