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Symposium im Goethe-Institut Dresden – Generationengerecht arbeiten

Ein besonderer Rahmen für ein verbindendes Thema 

Die gemeinsame Veranstaltung der Sächsischen Generationenagentur mit dem Gesamtbetriebsrat des Goethe-Institut fand – wie der Gastgeber und Leiter des Goethe-Instituts Dresden Robert Sobotta zu Beginn betonte – in einem besonderen Ambiente statt. 

Das historisch bedeutsame ehemalige Soldatenheim in der Dresdner Neustadt wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom Sächsischen Landtag genutzt und dient seit 1996 dem Goethe-Institut als Standort. Damit bot der Ort selbst einen passenden Rahmen für eine Veranstaltung, die sich dem Wandel und der Verbindung von Generationen widmete. 

Neben 40 angemeldeten Teilnehmern vor Ort haben sich auch 20 Teilnehmende, überwiegend aus dem Kontext des Goethe-Instituts, online hinzugeschaltet. Auch eine Preisträgerin des Sächsischen Generationen-Awards beteiligte sich digital. Der erste Teil des Symposiums wurde hybrid durchgeführt und live übertragen. Online-Teilnehmende konnten ihre Fragen dabei direkt an die Referentinnen richten. 

Inhaltlich verfolgte die Veranstaltung das Ziel, ein Miteinander statt eines Nebeneinanders oder gar Gegeneinanders am Arbeitsplatz zu fördern. „Es geht heute darum, mehr Verständnis füreinander am Arbeitsplatz zu schaffen“, brachte es die Geschäftsführerin der Sächsischen Generationenagentur Manuela Thomas auf den Punkt. Als Folgeveranstaltung einer gemeinsamen digitalen Auftaktveranstaltung stand diesmal eine vertiefte Auseinandersetzung mit generationenübergreifendem Arbeiten im Mittelpunkt. 

Impuls aus der Wissenschaft: Ageismus verstehen 

Den inhaltlichen Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Eva-Marie Kessler von der Medical School Berlin. Sie widmete sich dem Phänomen des „Ageismus“ – einem Begriff, der häufig mit Altersdiskriminierung übersetzt wird, dessen Bedeutung jedoch weiter reicht. 

Wie der Vortrag deutlich machte, umfasst Ageismus nicht nur individuelle Altersbilder, sondern auch damit verbundene Denkmuster, Erwartungen, Verhaltensweisen sowie strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen. Besonders hervorzuheben ist das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher und individueller Ausprägung. Während das Jung-Sein gesellschaftlich oft als Ideal gilt, beschrieb Professorin Kessler den „gegen uns selbst gerichteten Ageismus“ als ein negatives Selbstbild im Hinblick auf den eigenen Alterungsprozess. 

Mit Blick auf die Arbeitswelt verwies sie darauf, dass Beschäftigte – ähnlich wie im Leistungssport – häufig schon früh als „zu alt“ wahrgenommen würden. Empirische Studien zeigten jedoch, dass solche Zuschreibungen negative Folgen für Motivation, Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben können. Umso wichtiger sei es, Ageismus aktiv entgegenzutreten, Bewusstsein zu schaffen und Sensibilität zu fördern. Als konkrete Ansätze nannte die Referentin Wissensquiz-Formate, interaktive Gruppenformate, Informationskampagnen sowie die Förderung einer selbstreflexiven Haltung im Arbeitsalltag. 

Praxisimpuls: Generationenübergreifende Zusammenarbeit gestalten 

Wie generationenübergreifende Zusammenarbeit konkret gelingen kann, zeigte anschließend Claudia Hesse, Koordinatorin für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Mobilen Haus-Krankenpflege Kröber aus Zittau, in einem anschaulichen Praxisimpuls. 

Sie betonte die bewusste Integration generationensensibler Themen als Grundlage dafür, generationenspezifische Stärken gezielt zu nutzen. Als zentralen Schlüssel identifizierte sie die Kommunikation. Ihr Arbeitgeber – 2025 mit dem Deutschen Arbeitsschutz-Preis ausgezeichnet – habe einen verbindlichen Kommunikationskodex entwickelt und klare Spielregeln für die Zusammenarbeit formuliert. 

Auch die Arbeitsorganisation wurde als wichtiger Faktor hervorgehoben. Neben einer alterssensiblen Dienstplanung verwies Frau Hesse insbesondere auf eingeführte Mentoring-Programme, mit denen bereits positive Erfahrungen gesammelt wurden. Ihr Fazit: Entscheidend ist eine Haltung, die in der Unternehmensführung verankert sein muss, damit sie sich nachhaltig in der gesamten Unternehmenskultur entfalten kann. 

Austausch an drei Thementischen

Nach den beiden Impulsen wurde das Thema in einem interaktiven Format weiter vertieft. An drei Thementischen arbeiteten die Teilnehmenden in wechselnden Gruppen; im 20-Minuten-Takt rotierten sie, sodass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden konnten. 

Am ersten Tisch standen Stereotype in der Arbeitswelt im Mittelpunkt. Ausgehend von den Erfahrungen der Teilnehmenden wurden verbreitete Vorurteile reflektiert und alternative Sichtweisen entwickelt. Schnell wurde deutlich, dass es sich letztlich um eine Haltungsfrage handelt: Alle Generationen können voneinander und miteinander lernen. Voraussetzung dafür sind gegenseitige Wertschätzung sowie ein befähigender Führungsstil, der Kompetenzen stärkt und individuelle Entwicklung unabhängig vom Lebensalter ermöglicht. 

Der zweite Thementisch, moderiert von Claudia Hesse, vertiefte die Erfolgsfaktoren der Mobilen Haus-Krankenpflege Kröber. Neben dem Kommunikationskodex wurde das sogenannte „Bienenvolk-Prinzip“ als anschauliches Kooperationsmodell diskutiert. Analog zur Arbeitsteilung im Bienenstock übernimmt jede „Firmenbiene“ entsprechend ihrer Lebens- und Erfahrungsphase passende Aufgaben. Auf diese Weise wird ein generationen- und kompetenzgerechtes Miteinander systematisch gefördert. 

Eine struktur- und bildungspolitische Perspektive nahm schließlich der dritte Thementisch unter Moderation von Dr. Nick Pruditsch (Industrie- und Handelskammer Dresden) ein. Als Erfolgsfaktoren mit großem Potenzial wurden unter anderem Bildungsurlaub und lebenslanges Lernen benannt. Zur Förderung des Wissenstransfers sprachen sich die Teilnehmenden zudem für unternehmensinterne intergenerationale Teams aus. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema Selbstfürsorge, das insbesondere für jüngere Generationen einen hohen Stellenwert besitzt. Flexible Arbeitszeitmodelle können hier einen wichtigen Beitrag leisten, um berufliche Tätigkeit, persönliche Entwicklung und gesellschaftliches Engagement besser miteinander zu verbinden. 

Fazit des Symposiums 

Insgesamt wurde im Rahmen der Veranstaltung deutlich, dass generationenübergreifendes Arbeiten kein Selbstläufer ist. Es erfordert Sensibilität gegenüber Altersbildern, strukturelle Rahmenbedingungen, bewusste Kommunikation und eine wertschätzende Haltung auf allen Ebenen. Wo diese Faktoren zusammenspielen, entsteht jedoch ein erhebliches Potenzial für die ganze Organisation.